Entwicklung der Schulassistenz

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Entwicklung der Schulassistenz 2017-06-23T10:16:07+00:00

Die Entwick­lung der Schu­las­sis­tenz in Berlin
Schon in den siebziger Jahren wurde im dama­li­gen West-Berlin Anstren­gun­gen unter­nom­men, eine gemein­same Erziehung von Kindern mit und ohne Behin­derung in ein­er Schule zu ver­suchen. An eini­gen Grund­schul­stan­dorten wur­den im Rah­men eines Schul­ver­such­es 1974 Inte­gra­tionsklassen ein­gerichtet. Bald stellte sich jedoch her­aus, dass für den beson­deren Bedarf der Kinder mitunter ein ergänzendes Instru­ment zur Unterstützung während des schulis­chen All­t­ages und im Unter­richt nötig war. Die zusätzlichen Bedürfnisse nach Förderung, Pflege und Unterstützung während der Unter­rich­tung in Klassen der Regelschulen, wur­den zunehmend offen­sichtlich.

Ab 1984 kon­nten dafür die entsprechen­den Einzelfall­helfer der Kinder den Schulbe­such begleit­en. Dies geschah auf Ver­an­las­sung der zuständigen Jugendämter der Wohn­bezirke. Dieses Sys­tem der „ambu­lanten Einzelfall­hil­fe in der Schule“ fußte auf den §§39 und 40 des BSHG zur Eingliederung­shil­fe. Es wur­den dabei jedoch die Nachteile der Einzelfall­hil­fe in die Schule übertragen. Auf­grund des Wahl- und Mitbes­tim­mungsrecht­es der Eltern bei der Hil­fe­pla­nung wurde mitunter Unruhe und Unwägbarkeit in den Unter­richt hineinge­tra­gen. Oft­mals waren die Weisungsregelun­gen und –bindun­gen unklar für die Beteiligten. Es kam auch zu häufigen Auswech­selun­gen der Einzelfall­helfer durch Sorge­berechtigte.

Damit wur­den nicht nur die Hilfebemühungen für die Integrationsschüler beeinträchtigt, son­dern das gesamte Gefüge der Lern­gruppe und der Schule litt. Des Weit­eren wurde auch die Bewil­li­gung­sprax­is der Stundenumfänge durch die einzel­nen Jugendämter sehr unter­schiedlich gehand­habt.

Mit der Ver­ab­schiedung des neuen Berlin­er Schulge­set­zes im Jahre 1989 wurde im §10a der Anspruch auf zusätzliche Unterstützung im Unter­richt ver­ankert. Daraus ergab sich jedoch ein weit­erge­hen­der Regelungs­be­darf zur Vere­in­heitlichung der unter­schiedlichen Ein­satzbe­din­gun­gen. Dazu wurde bei der Bil­dungsver­wal­tung ein Bud­get­ti­tel im Schul­haushalt für die Schu­las­sis­tenz ein­gerichtet und zen­tral ver­wal­tet.

1992 übertrug die Sen­atsver­wal­tung Bil­dung, Jugend und Sport der Leben­shil­fe für Men­schen mit Geistiger Behin­derung e.V., Lan­desver­band Berlin die Organ­i­sa­tion der Schu­las­sis­tenz. In zwei Bezirken wurde jedoch das Sys­tem der ambu­lanten Schu­las­sis­tenz fort­ge­set­zt.

Mit der Ver­ab­schiedung des nov­el­lierten Schulge­set­zes des Lan­des Berlin im Jahre 2004 ist die Gemein­same Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behin­derung im §36 zum erklärten Ziel gewor­den.

Dank der Rat­i­fizierung der UN-Kon­ven­tion zu den Men­schen­recht­en durch den Deutschen Bun­destag im Jahr 2009 hat ein neues Kapi­tel des Gemein­samen Lebens von Men­schen mit und ohne Behin­derung begonnen. Nach der Inte­gra­tion Einzel­ner fol­gt nun kon­se­quenter­weise die Aus­bil­dung der inklu­siv­en Gesellschaft.

Die Sen­atsver­wal­tung Bil­dung, Jugend und Wis­senschaft hat darauf 2015 mit dem Abschluss der Rah­men­vere­in­barung zur Leis­tungser­bringung ergänzender Pflege und Hil­fe (RV-SchulPfle­Hi) reagiert. Diese stellt die Organ­i­sa­tion der Leis­tungser­bringung gänzlich neu auf.

Jede Schule ist nun­mehr ab dem Schul­jahr 2015/16 aufge­fordert, sich mit einem freien Träger der Jugend­hil­fe zur Erbringung der Schu­las­sis­ten­zleis­tung zu verständigen. Dies erfol­gt durch Abschluss von Kooperationsverträgen zwis­chen der Schule und dem ausgewählten Träger der freien Jugend­hil­fe. Schulen, welche keinen Koop­er­a­tionsver­trag selbsttätig einge­hen wollen, wer­den durch einen von der jew­eili­gen Schu­lauf­sicht des Bezirkes bes­timmten Region­alan­bi­eter ver­sorgt.

Dieses Sys­tem ist für alle Beteiligten neu und muss sich in der Zukun­ft als tragfähig in der Erprobung beweisen.